Interview mit Dr. Elisabeth Fuchs

Studium der Chemie (B.Sc. und M.Sc.) an der TUM

Promotion in Chemie im Dezember 2019 bei Prof. Fritz Kühn – Professur für Molekulare Katalyse

Arbeitgeber ITM Isotopen Technologien München

Die Zielsetzung von ITM und ihrer wissenschaftlichen, medizinischen undindustriellen Kooperationspartner besteht darin, den Behandlungserfolg sowie dieLebensqualität für Krebspatienten maßgeblich zu verbessern und Nebenwirkungenzu reduzieren. Mit der Entwicklung von zielgerichteten Radionuklid-Therapien imBereich der Präzisionsonkologie möchte ITM einen Beitrag leisten,gesundheitsökonomische Verbesserungen zu erreichen und damit einennachhaltigen gesellschaftlichen Nutzen zu erzielen.(Weitere Informationen zu ITM erhalten Sie unter: https://www.itm-radiopharma.com/home/)

 

Liebe Elisabeth, vielen Dank, dass du dir für ein paar Fragen zu deinem Studium der Chemie an der TUM und deine nachfolgende Karriere Zeit genommen hast!

Warum hast du dich für das Chemiestudium entschieden?

Die Entscheidung, was ich studieren möchte, ist mir damals sehr schwer gefallen, allerdings habe ich mich schon in der Schule für Naturwissenschaften interessiert und das Fach Chemie hat mir dabei am meisten Spaß gemacht. Deshalb habe ich mir gedacht, dass ich es einfach mal ausprobiere. Ich denke, unter anderem hat meine Lehrerin mich damals für das Fach begeistert und damit dafür gesorgt, dass es mir so gut gefallen hat.

Könntest du deinen bisherigen Studien- bzw. Berufsweg erläutern?

Nach meinem Abitur 2010 habe ich angefangen Chemie zu studieren. Nach meinem Bachelorabschluss habe ich mein Masterstudium mit den Hauptfächern Organische Chemie und Radiopharmazie begonnen. Meine Masterarbeit habe ich in der Radiopharmazie geschrieben und danach in der medizinischen Chemie bei Prof. Kühn promoviert und meine Doktorprüfung im Jahr 2019 abgeschlossen. Danach habe ich bei ITM in der Abteilung Forschung und Entwicklung angefangen, wo ich bis heute geblieben bin.

Wie ist deine aktuelle Berufsbezeichnung bzw. dein Jobtitel?

Meine genaue Berufsbezeichnung lautet „Group Lead Radiopharmaceuticals“. Als Gruppenleiterin entwickle ich gemeinsam mit meinem Team, das aus CTAs und Wissenschaftlern besteht, Prozesse zur Herstellung und Qualitätskontrolle unserer Radiopharmaka-Pipeline.

Was sind deine Aufgaben und wie sieht dein typischer Arbeitstag aus?

Mein Arbeitsalltag besteht wie in vielen Jobs oft aus E-Mails und Meetings, aber nicht nur! Ich stehe noch oft im Labor und das ist als promovierter Chemiker nicht unbedingt selbstverständlich. Zusammen mit meinem Team entwickle ich mit Blick auf die gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien die Methoden für die Herstellung und Qualitätskontrolle der Radiopharmaka. Außerdem betreuen wir den Technologietransfer dieser Prozesse und stellen zusammen mit anderen Abteilungen sicher, dass die Qualität unserer Produkte am Ende stimmt.

Was gefällt dir an deinem Job besonders gut?

Die Abwechslung und die Mischung aus Labor- und Büroarbeit. Außerdem bin ich inzwischen vier Jahre beim Unternehmen und übernehme immer mehr Verantwortung. Das zeigt mir, dass mir bei ITM Vertrauen und Wertschätzung entgegengebracht wird und das freut mich. Außerdem werde ich durch Fortbildungen stets weiter gefördert. Die berufliche Entwicklung geht also immer weiter und auch im Alltag lerne ich immer wieder etwas Neues!

Wie war für dich der Übergang von Universität zum Berufsleben?

Dadurch, dass ich in der Forschung geblieben bin, war es ein relativ leichter Übergang. Enorm positiv empfunden habe ich, dass man in einem Unternehmen nicht mehr allein für den Erfolg verantwortlich ist. Es sind verschiedene Abteilungen und auch Kollegen involviert, die alle daran interessiert sind, dass die Projekte gut laufen. Dadurch bekommt man auch die nötige Unterstützung. In der Doktorarbeit war ich dagegen oft auf mich allein gestellt. Auch die geregelten Arbeitszeiten finde ich gut. In der Doktorarbeit habe ich oft sehr lange gearbeitet und die längeren Arbeitszeiten wurden nicht erfasst. Jetzt habe ich einen guten Überblick über meine Arbeitsstunden.

Welche Kenntnisse und Fähigkeiten, die du heute im Job benötigst, hast du imStudium/deiner Promotion an der TUM erworben?

Die analytischen Methoden aus dem Bachelor- und Masterstudium sind für meinen Job sehr wichtig. Vor allem das Verständnis und die Hintergründe der chemischen Grundlagen sowie das wissenschaftliche Arbeiten im Labor. Auch das Lesen von Arbeiten mit englischsprachigen Publikationen hat mir sehr geholfen, da wir auch viele englischsprachige Kooperationspartner haben. Hilfreich war auch das Lernen und Weiterentwickeln des korrekten akademischen Schreibens in englischer Sprache in Forschungspraktika und während meiner Master- bzw. Doktorarbeit. Außerdem habe ich in meiner Studienzeit erste Erfahrungen sammeln können, wie ich größere Projekte strukturieren und durchführen kann, was für die Promotion sehr hilfreich war. Zudem habe ich gelernt, wie wichtig es ist, ein Laborjournal zur Dokumentation ordentlich und nachvollziehbar zu führen.

Was zeichnet für dich einen guten Wissenschaftler aus?

Frustrationstoleranz ist unglaublich wichtig. Man muss lernen mit Rückschlägen und Hürden umzugehen, da man auf diese zwangsweise in der Wissenschaft immer treffen wird. Man sollte neugierig sein und muss gerade in der Forschung Ergebnisse und Theorien hinterfragen wollen und den Willen dazu haben, aus Fehlern zu lernen.

Würdest du dich wieder für ein Chemiestudium an der TUM entscheiden und –wenn ja – warum?

Ja absolut! Mit dem Wissen, was mir das Chemiestudium für meinen jetzigen Beruf gebracht hat, würde ich mich immer wieder dafür entscheiden. Ich bin sehr zufrieden in meinem Beruf und mit dem Lebensweg, den ich bisher gegangen bin.

Was würdest du unseren Studierenden raten, die den Einstieg in den Berufnoch vor sich haben?

Für den Einstieg in den Beruf sollte man sich für das entscheiden, was man wirklich machen will und nicht für das, was man tun sollte. Oder glaubt, tun zu müssen. Das ist leichter gesagt als getan, das ist auch klar. Kurz nach der Promotion war ich mir auch anfangs unsicher, was ich machen will. Dann habe ich die Chance bei ITM bekommen und sie ergriffen. Außerdem schadet es nicht, sich schon im Studium ein Netzwerk aufzubauen und auch dieses später zu nutzen. Auch wenn das eigene Profil nicht zu 100% auf eine Stellenausschreibung passt, sollte man trotzdem trauen sich zu bewerben, wenn man ein ernsthaftes Interesse an der Tätigkeit hat. Wichtig: weniger Selbstzweifel haben! Einfach probieren!

Könntest du bitte folgenden Satz vervollständigen: „Das Chemiestudium ander TUM hat mir…“

… sehr viel Spaß gemacht und ich würde es wieder tun!

 

Liebe Elisabeth, vielen Dank für das schöne Interview!